Und wenn die Welt verginge. Wärst dann du da, um sie zu rächen?

she.

brainstorm. der tag. vogue. archiv.on the run. mädchen. no&&goes.

things.

gast. sucht. thinspo. best. latente schwulenfeindlichkeit. trunkenheitderkinder.

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brainstorm.

Tränen des Schicksals vielleicht?

Tränen werden vergossen, ohne dass man lange noch darüber nachdenkt.

Vielleicht spontan.

Oder wenn man in Rage ist.

Wenn alte Erinnerungen noch einmal aufkommen. 

Wann weint der Mensch. Wenn der eigene Stolz im Dreck liegt. Wenn irgendjemand, wenn auch man selbst, noch darauf herum trampelt. Wenn Gefühle verletzt werden, Herzen gebrochen, Seelen verstaucht werden. Wenn man runtergemacht wird obwohl man sich seiner Fehler nicht bewusst ist und auch ewig keinen finden wird.
Wenn man stürzt, niederfällt auf den Boden. Blutet. Ins Spital kommt. Es so weh tut. Wenn man an Rauch erstickt, wenn man Kotze in der Nase hat, wenn man sie schluckt, wenn sie nicht raus will. Wenn die Bauchschmerzen nicht mehr aufhören wollen oder die Krämpfe. Oder die immer wieder aufplatzenden Narben schon das ganze Gesicht brennen lassen. Der erste Zug einer Zigarette und man zu ersticken glaubt. Geschlagen zu werden und misshandelt. Vergewaltigt zu werden und denken 'Warum ich?'
Ja.
Warum ich.
Warum weinen wir immer nur, wenn wir uns selbst leid tun.
Verallgemeinern wäre schlecht. Aber wieviele Menschen weinen, wenn sie hören auf der anderen Seite der Welt sind andere von Erdbeben verschüttet worden. Irgendwelche unbekannten Amerikaner sterben, weil zwei verdammte Flugzeuge in Wolkenkratzer stürzen und so viele sterben. Wenn Tiere blutrünstig umgebracht oder misshandelt werden. Wenn man Kindern etwas zu Leide tut.
Mitleid, ja.
Aber es trifft schließlich nicht uns selbst.
Traurig, ja.
Aber es trifft schließlich nicht uns selbst.
Oder hat irgendjemand da draußen geweint, als er gehört hat, dass schon wieder Geißeln genommen worden sind? 'Saharageiseln' also?
Nein. Sie werden schon wieder zurückkommen. Wir werden das schon aushandeln.
Wie oft weinen wir wirklich wegen unserer Mutter, wenn wir etwas getan haben, was sie nicht wollte. Tat es uns so Leid, das wir weinten? Und wenn ja, gehörte da nicht wenigstens ein bisschen Selbstmitleid dazu? Ein wenig 'aber-es-war-gar-nicht-so.gemeint' oder ein 'sei-nicht-böse-auf-mich'? Auf 'mich'? Nie haben wir uns gedacht, wenn unsere Eltern als Gegenzug dazu Verbote erteilt haben 'Ich hab die Strafe verdient und sie liebt mich, wie ich bin und ich habe sie enttäuscht.' Und wenn wir das denken: Haben wir nicht irgendwann in ferner Zukunft vor, wieder dasselbe zu tun?
Menschen weinen meistens wegen sich selbst.
Emotionale Menschen trauern mit.Mit den besten Freunden, wenn sie verlassen werden, mit entführten Kindern, mit Menschen, die nichts für ihr Schicksal können. Aber selbst enttäuscht und verletzt zu werden ist noch immer das Schlimmste.

Aber ich habe gerade geweint.
Und ich weiß nicht wieso.

Er hat mir geschrieben, es täte ihm Leid. Er habe gerade eine heftige auseinandersetzung mit seiner ex-freundin gehabt, aber ich könne ihn natürlich anrufen. Ich, zurück, dass ich ihn jetzt besser schlafen lasse, er solle sich ausruhen und sich nicht die Nacht und den Schlaf rauben lassen und es täte mir Leid für ihn.
Und er zurück: 'Ruf mich an'.
Schlicht und einfach. Sonst nichts. Und ich hab ihn angerufen. So eine kleine SMS-Nachricht kann Herzen öffnen. Ich war wie im siebten Himmel, obwohl er mir so Leid tat. Und dann hab ich ihn gebeten zu schildern, was denn passiert wäre. Und als er begonnen hat, warum sie sich gemeldet hätte, was sie unbedeutendes von ihm wolle, wie er reagiert hatte und wie sie ihn danach wutentbrannt angerufen hatte und ihm Vorwürfe gemacht hätte, was für ein Arschloch er gewesen sein. Wie er sie hintergangen hätte. Dass ich nur auf sich sebst geschaut hätte in ihrer Beziehung und sich nicht für sie interessiert hätte.
Musste ich plötzlich weinen.
Richtig weinen.
Ein Lachflash in die verkehrte Richtung.
Die Tränen sind mir aus den Augen geschossen und ich musste mir den Mund zuhalten, um nicht zu schluchzen. Und ich konnte nicht aufhören, ließ ihn weitererzählen. Er hat davon nichts mitbekommen. Es hat sich dann auch wieder gelegt. Aber ich frage mich.

Habe ich wirklich wegen mir geweint?

Warum?

Warum sollte ich wegen mir weinen?

Weil ich Sachen erfahren habe, die ich nicht wusste? Blödsinn. Ich telefoniere drei Stunden am Tag mit ihm. Kann mir auf gewisse Fragen und Aussagen ausmahlen, was er darauf sagt, obwohl er unberechenbar scheint.
Er ist so ehrlich zu mir und ich kenne so viele seiner Launen, wie andere ihn nie, nicht in Jahren kennen lernen würden.
Was ist das für eine Art von Beziehung?
Nicht, dass wir zusammen wären.
Ich bin nur süchtig nach ihm.
Nach seinem Geruch. Seinen Lippen. Seinen Augen. Seiner Lässigkeit sich auszuziehen und mich. Seinem Blick auf die Uhr, wie lange ich schon Verabredungen schwänze, sein belustigt-glücklich-zufriedenes Gesicht, wenn er merkt, dass mir das nichts ausmacht, seine Art durch die CD-Regale zu gehen, langsam, konzentriert und seine Art mich ernst anzuschauen und schließlich leicht zu lächeln, um dann die Augen zu schließen.
Ich könnte ewiglich weiter so reden.
Aber es lohnt sich nicht.
Weil wir nur Freunde sind.
Weil wir viel zu viel vom anderen kennen, um uns lieben zu können. Weil ich ihn dafür hasse, dass er sich selbst eine Kugel in den Mund schießen wollte, sich eine Pistole an die Schläfe gehalten hat, im Bad gesessen ist, mit der Rasierklinge und gedacht hat 'soll ich oder soll ich nicht', ich hasse ihn dafür solche Texte zu singen, die man nicht versteht und wenn er dich dann aufklärt, fast weinen zu müssen, weil das alles so verdammt beschissen war, sein Leben. Ich hasse es, wenn er von seiner toten Schwester erzählt, die dort liegt, warum auch immer. Weil ich ihn hasse, wenn er von seinem Handy abhebt und sagt 'Keine Zeit' - und wieder auflegt [nur noch nie bei mir]. Ich hasse es, wenn er.
Ich kann ihn nicht hassen. Nienienie.
Ich könnte mich nur selbst umbringen, wenn ich höre, dass er, wenn er ein paar Dinge durchgezogen hätte, von A bis Y gezählt hätte und dann der Buchstabe Z verschwunden war. Ich liebe ihn einfach. Und ich kann nichts dagegen tun, aber ich weiß, sobald er mich auch liebt und wir beide uns - verlieben - dann ist es aus. Dann kann ich ihn nicht mehr ansehen. Ich liebe ihn und ich will ihn nur für mich, aber ich kann ihn nicht lieben als festen Freund. Ich möchte seine Familie kennenlernen, ich möchte, dass er meine kennenlernt [schon passiert], ich möchte ihn in meinem Bett liegen haben und währenddessen mit ihm alte Disneyfilme schauen und Serienmörderbiografien, die wir beide so lieben und ich möchte auf seinem Bett herumspringen, ihn umarmen, ihn küssen, mit ihm in den Urlaub fahren und Bunjee-jumpen, mit ihm Tiefseetauchen und Löwen streicheln und Tiger und Wölfe und Haie und Rochen. Ich möchte, dass er mir Schwertkämpfen beibringt, mir seine ewig großen T-Shirts überzieht, mich in den Schlaf wiegt. Ich möchte, und kann, jedes Geheimnis mit ihm teilen. Ich werde ihm von Mia erzählen, habe ich beschlossen, schließlich erzählt er mir auch alles über sich, und er ist der einzige, dem ich absolut alles anvertrauen würde, denn ich würde wissen, er würde mit diesem Geheimnis ins Grab gehen. Ich würde für ihn die Hände ins Feuer legen und über glühende Kohlen gehen.
So sehr liebe ich ihn.
Aber ich kann nicht beschreiben warum, ich möchte nie. Wirklich nie ein Paar sein und spielen. Und vor allem will ich nie sagen  

'Ich liebe dich'

denn sobald ich das sagen würde, könnte ich ihn nicht mehr lieben wie vorher. Aus ganzer Seele nicht - und meine Seele zählt mehr als mein Herz, denn das Herz ist vergänglich und ich glaube, dass ich ihn ewig lieben werde.
Das Leben kann so kurz sein, wisst ihr?

In Liebe,

ich.

3.10.08 00:29


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